Der Tod von Sr. Jurandir
In Erinnerung an den alten Mann, der unter der Stiege wohnte
Als ich vor einiger Zeit in einem Buch von Jorge Amado aus dem Jahr 1937 eine Beschreibung eines heruntergekommenen Hauses in einem Viertel von Salvador las, das als Unterkunft für die unterste Schicht der Bevölkerung diente, in dem die „Wohlhabendsten“ noch das Glück hatten, in schäbigen Zimmern wohnen zu können, während die weniger Glücklichen sich mit einem Platz am Gang zufrieden geben mussten und die Erbärmlichsten in den Löchern unter der Holzstiege schliefen, gelangten diese Bilder in meiner Vorstellung noch nicht über den Bereich des Fiktiven hinaus. Zu jener Zeit wohnte ich bereits in einem Haus in Salvador, in dem sich jede Nacht ein Gast einfand, der am Gang schlief und seine Schuhe hinter der Gittertür des Stiegenaufgangs zu meiner Wohnung abstellte, damit sie ihm nicht gestohlen würden. Ab und zu bat er mich um etwas von dem Brot, das ich für das Frühstück gekauft hatte.
Das Haus von Vicky in Rio de Janeiro, in dem ich jetzt wohne, liegt im oberen Bereich eines Steilhanges, den man über viele Stufen eines Weges, der sich in Serpentinenform den Hang hinauf schlängelt, bewältigen muss, bevor man zum eigentlichen Hauseingang gelangt. Das Grundstück ist ein paar Meter von der Straße zurückversetzt, wodurch der Gehtsteig vor dem Grundstück plötzlich zu einem kleinen Platz wird, der mit der vorstehenden Front des nächsten Hauses wieder zu einem schmalen Weg wird. Unter der Stiege, die im rechten Winkel zur Straße von diesem Plätzchen aus ansteigt, befindet sich – begrenzt von der Grundstücksmauer – ein kleiner Hohlraum, in dem Sr. Junrandir wohnte.






