São Jorge

Geschichte meines brasilianischen Namens und der Prozession von São Jorge

Wenn ich von BrasilianerInnen nach meinem Namen gefragt werde, ist die Reaktion auf „Jörg“ meistens ein ungläubig – überraschtes „Que???“ (dt. Wie?). Die Kommentare reichen dann von Vergleichen mit Björk oder (New) York bis hin zu Geräuschen, die ein bestimmter Gott im Candomblé bei einer Zeremonie macht. Um mir die langwierigen sprachpädagogischen Versuche, meinen Namen richtig auszusprechen, zu ersparen, habe ich mir einen portugiesischen Namen zugelegt: Jorge. Wenn ich mich als „Jorge“ vorstelle, ist die Reaktion darauf allerdings ein nicht weniger ungläubig – überraschtes „Que???“, da Jorge ein traditioneller brasilianischer Name ist und man mir natürlich ansieht, dass ich kein (typischer) Brasilianer bin. Jorge wird in Deutsch mit Georg übersetzt; der stammt zumindest aus derselben Namensfamilie, wie Jörg. Das ist also die Vorgeschichte, die auch noch eine Vor-vorgeschichte hat, wie ich heute zur Prozession von São Jorge gekommen bin.

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São Jorge ist in Brasilien ein sehr verehrter Heiliger, dem im Bundesstaat Rio de Janeiro sogar ein ganzer Feiertag (der 23. April) gewidmet ist und der auch von verschiedenen afro-brasilianischen Religionen, in denen er u.a. mit Ogum identifiziert wird, gefeiert wird. In den verschiedenen religiösen Traditionen, die von versklavten Afrikanern nach Brasilien gebracht wurden (wie Candomblé, Umbanda oder Macumba), werden afrikanische Götter unter christlichen Namen verehrt (Synkretismus), da die afrikanischen Religionen von der katholischen Kirche verboten waren und auch heute noch weniger als geduldet sind. Bei der Prozession, an der ich heute teilgenommen habe, führten die in den Farben des Heiligen, Rot und Weiß, gekleideten Gläubigen eine Statue von São Jorge auf dem Pferd betend und singend durch die Straßen. Viele trugen auch ein Blatt ein Pflanze, die im Candomblé eine besondere Bedeutung hat.

São George O Santo Guerreiro

Zur Vor-vorgeschichte: Als ich genau vor einem Jahr auch in Brasilien war, kam ich am 23. April in Rio de Janeiro an. An diesem Tag gab es am Strand von Copacabana ein großes Konzert mit Musikern, die den Namen „Jorge“ trugen, wie Jorge Bem, Seu Jorge und noch einige. Bei diesem Konzert habe ich Silvana, meine jetzige Freundin, kennengelernt.

São Jorge oder Ogum passen also gut auf mich auf.

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