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Der Tod von Sr. Jurandir

Der Tod von Sr. Jurandir

In Erinnerung an den alten Mann, der unter der Stiege wohnte

Als ich vor einiger Zeit in einem Buch von Jorge Amado aus dem Jahr 1937 eine Beschreibung eines heruntergekommenen Hauses in einem Viertel von Salvador las, das als Unterkunft für die unterste Schicht der Bevölkerung diente, in dem die „Wohlhabendsten“ noch das Glück hatten, in schäbigen Zimmern wohnen zu können, während die weniger Glücklichen sich mit einem Platz am Gang zufrieden geben mussten und die Erbärmlichsten in den Löchern unter der Holzstiege schliefen, gelangten diese Bilder in meiner Vorstellung noch nicht über den Bereich des Fiktiven hinaus. Zu jener Zeit wohnte ich bereits in einem Haus in Salvador, in dem sich jede Nacht ein Gast einfand, der am Gang schlief und seine Schuhe hinter der Gittertür des Stiegenaufgangs zu meiner Wohnung abstellte, damit sie ihm nicht gestohlen würden. Ab und zu bat er mich um etwas von dem Brot, das ich für das Frühstück gekauft hatte.

Das Haus von Vicky in Rio de Janeiro, in dem ich jetzt wohne, liegt im oberen Bereich eines Steilhanges, den man über viele Stufen eines Weges, der sich in Serpentinenform den Hang hinauf schlängelt, bewältigen muss, bevor man zum eigentlichen Hauseingang gelangt. Das Grundstück ist ein paar Meter von der Straße zurückversetzt, wodurch der Gehtsteig vor dem Grundstück plötzlich zu einem kleinen Platz wird, der mit der vorstehenden Front des nächsten Hauses wieder zu einem schmalen Weg wird. Unter der Stiege, die im rechten Winkel zur Straße von diesem Plätzchen aus ansteigt, befindet sich – begrenzt von der Grundstücksmauer – ein kleiner Hohlraum, in dem Sr. Junrandir wohnte.

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Die Landproblematik

Die Land-Frage ist zentral im Konflikt um Bio-Brennstoffe, um den Preis der Nahrungsmittel und um fast alle Indigenen-Reservate und hängt auch mit der Rodung des Amazonasgebiets zusammen. In den Städten sind die Schwierigkeiten des Zuganges zu Grundstücken für Wohnungen verantwortlich für die explosionsartige Entwicklung der Favelas und illegalen Siedlungen.

Ermínia Maricato in piauí_21 (aus dem brasilianischen Portugiesisch von Jörg Trettler)

Gleich ob am Land oder in der Stadt, der Besitz von Land ist weiterhin der zentrale Punkt in der brasilianischen Gesellschaft. Im Zuge der in den 80er Jahren einsetzenden Globalisierung begann sich das Problem des Landes zu verschlimmern und tendiert dazu, auf der ganzen Welt ein explosives Thema zu werden. Mit dem Anstieg des auf dem Großgrundbesitz basierenden Agro-Business, gewannen Primärprodukte wie Eisenerz, Zellulose, Getreide, Fleisch, Benzin und Ethanol an strategischer Bedeutung auf den globalen Märken und verursachen in der heutigen Zeit die Vertreibung von Bauern aus dem ländlichen Raum in einem Maßstab, der eine Zahl von Menschen in Milliardenhöhe erreicht.

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Besuch der MST-Siedlungen in Campos

An der UFRJ (Universität von Rio de Janeiro) wurde in diesem Semester ein Praktikum für Studenten der Studienrichtung Assistença Social in Campos (im Norden den Bundesstaates Rio de Janeiro) angeboten, wo das Movimento dos Trabalhadores Rurais sem Terra (MST) mehrere asentamentos (Siedlungen) und acampamentos (camps) hat. Am letzten Wochenende habe ich die Gruppe begleitet.

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Roda de Capoeira Angola in Caxias mit Mestre Russo

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Auslieferung in der Favela

Gepostet von Luiz Weis am 17.6.008 auf http://www.observatoriodaimprensa.com.br; aus dem brasilianischen Portugiesisch von Jörg Trettler

Man nennt die Praxis der Busch-Regierung Terrorismus-Verdächtige, die von nordamerikanischen Sicherheitsdiensten verhaftet wurden, illegal in Drittstaaten zu bringen um dort auf brutale Weise verhört zu werden rendition (Auslieferung). Türkei, Pakistan, Egypten, Jordanien, Polen und Rumänien werden als einige der Länder genannt, wo die Vereinigten Staaten Folter auslagern. Gemäß einem Kolumnisten ist es so, als ob Washington Auftragskiller anstelle.

Unter Berücksichtung aller Umstände ist es auch das, was am Samstag in Rio de Janeiro ein Leutnant, ein Unteroffizier und ein Soldat des Bundesheeres, mit vermutlicher Mittäterschaft von anderen Kameraden – insgesamt 11 Personen – machten. Das Trio lieferte drei Bewohner des Morro da Providência im Alter von 17, 19 und 24 Jahren an traficantes (Drogenhändler) aus, die am Morro da Mineira operieren, damit sie ihnen „eine Lektion erteilen“ oder ihnen „einen Schreck einjagen“. Sie wurden gefoltert und ermordet.

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Militär beschuldigt, Jugendliche verschwinden lassen zu haben

Während eines Protests gegen das Miltär plündern Bewohner der Favela Morro da Providência neun Autobusse und zünden einen weiteren an

Flávia Cohen, Gabriela Moreira und Zean Bravo am 15. Juni 2008 in der brasilianischen Tageszeitung O Globo; aus dem brasilianischen Portugiesisch von Jörg Trettler

Bewohner der Favela Morro da Providência (im Zentrum von Rio de Janeiro) zündeten als Protest gegen das Verschwinden von drei Jugendlichen, die gemäß ihren Anschuldigungen von Militärangehörigen, die die Favela besetzen, festgenommen wurden, gestern gegen 14 Uhr einen Autorbus an und plüderten 9 weitere. (Anm. d. Übersetzers: Die Besetzung des Morro da Providência vom Militiär begann am 13. Dezember 2007. Die Mission war, die Bauarbeiten zur Verbesserung der Fassaden und Dächer von 780 Häusern gemäß dem vorgestellten Projekt vom damaligen Senator Marcelo Crivella zu unterstützen. Das Projekt „Sozialer Zement“ kostete 12 Millionen Reais und sah die Teilnahme der Bewohner an den Bauarbeiten vor. Die Präsenz von 200 Soldaten in der Favela verursachte allerdings Polemik unter den Bewohnern, die Konflikte zwischen den Drogenhändlern und dem Militär fürchteten.) Die Opfer kamen gestern gegen 8 Uhr von einem Fest in der Favela Morro da Mangeira zurück, als sie von den Militärs festgenommen wurden. Während des Protests wurde auch geschossen.

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Im Caveirão

Im Caveirão – Improvisation, Unsicherheit, permanente Pannen – wie funktionieren die Panzerfahrzeuge, die in den favelas (Armenvierteln) von Rio eingesetzt werden

Christina Tardáguila in piauí Nr. 19; aus dem brasilianischen Portugiesisch von Jörg Trettler

(Die Fotos stammen vom Hauptquartier der Polícia Civil, das offen zugänglich schien; beim Verlassen des Geländes wurde ich jedoch von einem Beamten angehalten und auf ein Zimmer gebracht, wo ich einige Fragen beantworten mußte.)

Wenn man die Tür des Panzerfahrzeuges öffnet, das die Polícia Civil (PC) von Rio de Janeiro verwendet, um Operationen in den favelas von Rio durchzuführen, gibt sie ein trockenes Knarren von sich, das von einem heiseren Knirschen gefolgt wird. Die Luft, die aus dem Fahrzeug strömt, eine Mischung von Schweiß, Staub und geronnenem Blut, dreht einem den Magen um, so heiß und feucht ist sie. Der Polizist Hamilton lässt sich vom schlechten Geruch nicht beeindrucken. „Mit der Zeit wird das dein Zuhause und du merkst es gar nicht mehr“, sagte er vor kurzem bei Tagesanbruch beim Einsteigen in den „Caveirão„, dem Spitznamen des Panzerfahrzeuges.

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